• Letzte Änderung: Montag 12 November 2018, 11:18:18.
Internetseite des Männerchores Weiler bei Bingen

Deine Stimme zählt!

Jeder, der Spaß am gemeinsamen Singen hat, ist uns willkommen!

Jeden Donnerstag um 20 Uhr ist Chorprobe im Proberaum im Rathaus in Weiler.

Schau doch einfach mal vorbei!
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Am 28.11.1918 hatte Kaiser Wilhelm II. erklärt, dass er fortan auf den Thron verzichte. Die gleiche Erklärung gab der Kronprinz Wilhelm am 1. Dezember 1918 ab. Deutschland sollte jetzt Republik werden.

Schon Anfang Januar 1919 bekam diese junge Republik eine demokratische Verfassung von der Nationalversammlung in Weimar beschlossen. Sie sollte ihr zukünftig die Bezeichnung „Weimarer Republik“ eintragen. Friedrich Ebert wurde vom Parlament zum ersten Reichspräsident gewählt.

In der großen Politik aber ging es nach Kriegsende turbulent zu. Parteienkämpfe spielten sich meist in größeren Städten, wie Berlin und München, aber auch im Ruhrgebiet ab. Davon war allerdings in unserer Heimat kaum etwas zu spüren. Schwerer wog die Besetzung des linken Rheinufers durch die Siegermächte, zuletzt und am längsten durch die Franzosen.

Die Wirtschaft stagnierte, in Weiler gab es viele Arbeitslose. Trotz allem konnte der MGV 1919 unter seinem Dirigenten Peter Klein die Chorproben wieder aufnehmen. Aber da machte die schleichende Geldentwertung sich bemerkbar. Die „Inflation“, wie sie genannt wurde, verschlang nicht nur alle Sparguthaben auch der kleinen Sparer; sondern auch das Geld in der Vereinskasse und den mit viel Fleiß erarbeiteten Lohn.

Bis er am Wochen- oder Monatsende zur Auszahlung kam, war der Wert des Geldes wieder so weit gesunken, dass er gerade noch für den Kauf eines Brotes ausreichte.

Dass dieser wirtschaftliche Niedergang sich auch auf das Vereinsleben auswirkte, ist zu natürlich. Einladungen zur Teilnahme an Festveranstaltungen auswärtiger Vereine mussten wegen Geldmangels der Mitglieder wie auch der Vereinskasse ausgeschlagen werden. Indessen wurden, wenn auch unter persönlichen Opfern, die vereinsinternen Veranstaltungen weitergeführt.

Da traf den Verein ein neuer Schlag; wegen des „Passiven Widerstandes“ wurden auch in Weiler Eisenbahner, darunter auch Mitglieder des MGV, mit Familienangehörigen von der französischen Besatzung ausgewiesen. Etwa 65 Eisenbahnerfamilien waren von Herbst 1923 bis Herbst 1924 über den Rhein in das nicht besetzte Deutschland abgeschoben worden. Nach ihrer Rückkehr entfaltete sich das Vereinsieben von neuem. Den Chor leitete seit 1921 der in Weiler tätige Lehrer Anton Marx.

Als nach dem Tode Friedrich Eberts 1925 der noch im Kaiserreich zum Generalfeldmarschall ernannte Paul v. Hindenburg durch Volkswahl Reichspräsident geworden war, war der Inflation bereits ein Ende gesetzt. Das Geld bekam wieder Wert, die Arbeitslosigkeit wurde allmählich beseitigt, die Finanzen des Vereins festigten sich. Noch im gleichen Jahr übernahm Musikdirektor Hirsch aus Bingerbrück die Chorleitung.

Außer Chorkonzerten wurden kleine Operetten aufgeführt und Familienfeste veranstaltet. Als Eintrittspreis wurden damals für den 1. Platz 50, für den 2. Platz 30 Pfennige erhoben.

1926 wurde das 40. Stiftungsfest mit Festzug und auswärtigen Gästen gefeiert. Der Vereinsgründung im Jahre 1886 wurde danach alljährlich regelmäßig gedacht.

1930 nahm der MGV wieder an der Begrüßung eines Staatsoberhauptes teil. Die Besatzungsmächte, die seit 1918 das linke Rheinufer besetzt hielten, zogen am 30. Juni dieses Jahres ab. Der Tag wurde allenthalben festlich als „Rheinland-Befreiung“ begangen. Reichspräsident von Hindenburg nahm die Gelegenheit zu einem Besuch der befreiten Rheinlande wahr und kam auf seiner Fahrt auch durch Weiler. Alle Vereine mit ihren Fahnen, Schulkinder mit ihren Lehrern und viele Einwohner säumten die Stromberger Straße, als der Reichspräsident von Waldalgesheim her mit seiner Autokolonne gefahren kam.

Er saß im ersten, offenen Wagen und grüßte mit geradeaus gerichtetem Blick durch Heben und Senken seines zusammengeklappten Zylinders die Menge. Den musikalischen Gruß spielte der „Musikverein Weiler 1921“. Die Wagenkolonne hielt aber nicht an, um das Ständchen entgegenzunehmen, sondern fuhr weiter; die Musiker mussten ihre „Töne“ dem Reichspräsidenten gewissermaßen „nachblasen“.

Auf die Darbietung eines Chorgesanges hatte man von vornherein verzichtet. Damals hätte niemand daran gedacht, dass derselbe Reichspräsident nicht ganz drei Jahre später einen Umschwung in die Wege leiten würde, die unser Vaterland, ganz besonders aber unsere Heimat, in schwerstes Leid, Not und Tod stürzen würde.

Noch im gleichen Jahr 1930 trat eine Wirtschaftskrise ein, die von außen importiert war. Es gab wieder mehr Arbeitslose, ihre Zahl sollte sich bis 1935 auf 6 Millionen steigern. Das Geld zum Leben wurde knapp. Das traf insbesondere die Menschen, die keine Arbeit hatten. 8 Mark für den Ledigen, 14 Mark für Verheiratete erhielten sie wöchentlich zum Lebensunterhalt.

Das traf natürlich auch den MGV und seine Mitglieder. Da blieb kein Geld mehr übrig für einen Schoppen nach der Gesangstunde. Unter diesen Umständen musste der Besuch der Übungsstunden leiden. Das berührt uns Heutige eigenartig, dass damals der Vorschlag, den arbeitslosen Mitgliedern den Vereinsbeitrag zu erlassen oder wenigstens zu stunden, auf Ablehnung stieß.

Den Chor leitete seit 1928 Musikdirektor Augstein aus Stromberg.